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Willkommen am Steinengraben!

Liebe Menschen, wir wenden uns mit dieser Homepage an die Öffentlichkeit, an Euch.

Wir wollen Euch Einblick hinter die Fassaden des Steinengrabens ermöglichen. Ein erster Versuch dazu scheiterte, da unser „Tag der offenen Tür“ per Anwalt mit der Drohung einer fristlosen Kündigung leider verboten wurde. Es ist uns aber ein Anliegen, dass möglichst viele Menschen die Möglichkeit erhalten, sich eine eigene Meinung zum geplanten Abriss dieses wunderschönen und günstigen Wohn– und Lebensraums zu bilden.

Die Argumente gegen das Abbruch-Begehren dieser letzten, 140 Jahre alten Perlen am Steinengraben, im Besitz der Helvetia Versicherungen sind vielschichtig. Unter der Rubrik "Überblick" findet Ihr unser Argumentarium. Weiter rechts in der Navigation könnt Ihr unter "Stimmen" das Medienecho studieren und Euch unter "Statements" mitteilen. 

Wir wollen hiermit den Diskurs zum Erhalt dieser Häuser eröffnen – und hoffen auf Einsehen der Helvetia Versicherung, auch im Sinne der sozialen Verantwortung gegenüber der heutigen Wohnungsmarktentwicklung Basels.

 


Der Stand der Dinge

Zählen in Basel Parkplätze so viel wie Kinderzimmer ? 

Seit einigen Jahren kämpfen wir für eine lebensfreundliche Entscheidungsgrundlage für Basels Wohn(t)räume.

Am kommenden 25. September entscheidet das Appellationsgericht über den Fall "Steinengraben". 

Das Gerichtsurteil wird uns alle betreffen, denn es ist die Erstinterpretation des liberalisierten Wohnraumfördergesetz (2014, 1. Juli in Kraft getreten). Somit wird es als Referenz für alle weiteren Gerichtsfälle benutzt. 

Es wird die Weichen für die künftige Wohnraumpolitik stellen. Jetzt gilt's ernst... 

 

                                aktuellste Infos gibt's hier -  spread the word 

 

Basel wach uff, bevors zspoot isch... 

                                                       ... gemeinsam einen Stein in's Rollen bringen

 

 

 

 

Newsletter #008

Liebe UnterstützerInnen des Wohnraumes am Steinengraben. Nach langer Funkstille, für die wir uns an dieser Stelle entschuldigen möchten, ist es an der Zeit euch über den Stand der Dinge zu informieren.

 

Unzureichender Entscheid der Rekurskommission

Am 12. Oktober erhielten wir den Entscheid betreffend unseres Rekurses.

 

Das Bauvorhaben der Helvetia sei nicht rechtmässig, allerdings nur weil den Ersatzpflanzungen zu wenig 
Erdreich für eine angemessene Entwicklung zur Verfügung stehen würde. Die Tiefgarage sei deshalb zu „redimensionieren“.

In allen anderen Punkten, also betreffend dem Wohnraumfördergesetz, Denkmal- sowie Landschaftsschutz gab die Kommission dem Begehren der Helvetia nach.

Ein Beispiel:

Das WRFG (=Wohnraumfördergesetz), wird in unserem Fall „im Sinne des Gesetzgebers“ ausgelegt.

„Der Vollständigkeit halber und mit Blick auf weitere Argumente der Rekurrierenden ist zu erwähnen, dass das WRFG in Artikel 7
Abs. 3 lit. A neben der quantitativen Anforderungen keine weiteren Voraussetzungen an den zu schaffenden Wohnraum stellt. 
Weder muss besonders preisgünstiger, noch familiengerechter Wohnraum geschaffen werden […]“

(Punkt 22. des Rekursentscheides)

 

Nun haben wir die paradoxe Situation, dass keine der drei involvierten Parteien (Mieterschaft/ Mieterinnen- und Mieterverband BS/ Helvetia) den Entscheid anerkennt und somit alle Rekurs gegen diesen Entscheid einreichen. Man kann verkünden, dass der Fall Steinengraben somit vor dem Verwaltungsgericht verhandelt werden wird.

 

Der Teilerfolg freut uns natürlich, trotzdem sind wir enttäuscht, wie einseitig und eben nicht unabhängig einige Kommissionen beurteilen und werten. Gerade die neu geschaffene Stelle für die Prüfung des Wohnraumfördergesetzes spielt einzig und allein dem Grosskonzern Helvetia in die Karten. Wir, die über das neue Gesetz abgestimmt haben, können also sicherlich nicht von der Wahrung unserer Interessen sprechen wenn so mit unserem Wohnraum umgegangen wird. Solche Entscheidungen sollten auf politischer Ebene zu denken geben!

 

Rausschmiss am Steinengraben 36

Nach gescheiterten Verhandlungen zwischen der Mietpartei des Hauses Steinengraben 36 und der Helvetia mussten die Mieter am 30.11.2016 ihr geliebtes Zuhause verlassen. So endet eine mehrere Generationen dauernde Phase, in der dieses Haus als Familienwohnsitz gedient hat. Die Helvetia stellt langjährige Mieter auf die Strasse, obwohl klar ist, dass die Häuser weiterhin stehen werden. Sowas ist einfach nur taktlos!

 

Am Morgen vom 1. Dezember, noch während der sehr emotionalen Schlüsselübergabe, begannen die Handwerker mit ihrer Arbeit. Es wurden Türen und Fenster verbarrikadiert, Heizöl abgepumpt, Heizungen und andere Grundinstallationen zurückgebaut und Sichtschutzwände von innen montiert. Somit hat sich die öffentliche Verlautbarung (Tageswoche vom 27.10.16: die Helvetia spricht von ..einer weiterführenden Nutzung in geeigneter Form) als nicht der Wahrheit entsprechend erwiesen. Anscheinend weiss die Helvetia von der akuten Wohnungsknappheit in Basel und fürchtet sich vor einer Besetzung. Anstatt uns, die seit vielen Jahren als funktionierender Besetzungsschutz inklusive Mietzinsertag dienen, die Häuser zu überlassen, wird lieber zugemauert.

Die Tgeswoche hat über den jetzigen Leerstand einen Artikel verfasst:

http://www.tageswoche.ch/de/2016_50/basel/737075/Steinengraben-Helvetia-bevorzugt-ein-Geisterhaus.htm)

 

Solidarität mit den BewohnerInnen der Mülhauserstrasse 36

Abseits des Steinengraben ziehen andere Gewitter auf. An der Mülhauserstrasse will die Besitzerin (Pensionskasse BS) und ihre Verwaltung (Immobilien Basel-Stadt) langjährige Kantonsangestellte und heutige Rentenbezüger der PKBS (einige sind bereits über 90 jährig) auf die Strasse stellen.

Der Grund: eine geplanten Luxussanierung der Liegenschaft.

Die BewohnerInnen setzen sich zur Wehr und haben u.a. eine Petition lanciert welche sie am Mittwoch dem 14.12.2016 einreichen werden. Das ganze wird lanciert mit einem Marsch vom Totentanz zum Marktplatz.

Treffpunkt:

14.Dezember 2016 | 11.30 Uhr | Totentanz

Bis dahin wird jede Unterschrift benötigt.

 

Wir möchten Euch allen einen guten Jahresabschluss wünschen und hoffen, dass wir im nächsten Jahr weiterhin auf Eure Unterstütung zählen können. Danke sagen möchten wir bereits jetzt! Unseren, nun leider vertriebenen Nachbarn, wünschen wir eine erholsame und ruhige Zeit an Ihrem neuen Wohnort.

Die Bewohner_innen des Steinengraben

 

 

Keine Weihnachten am Steinengraben 36

"Seit vier Generationen ist es bei uns die Tradition das Weihnachtsfest am Steinengraben zu zelebrieren. Die ganze Familie versammelte sich im 1. Stock im Salon, in dem sich jedes Jahr ein prachtvoller, bis zur Decke ragender Weihnachtsbaum befand. Es wurde gegessen, gefeiert, gelacht und einfach eine gute Zeit zusammen verbracht. Die Jahre vergingen und wir wussten, dass es das letzte Weihnachtsfest sein wird, an dem mein geliebter Grossvater noch bei uns sein wird. Die Cousinen und Cousins versammelten sich in dem Zimmer, in dem mein Grossvater seinen ersten, wie auch seinen letzten Atemzug gemacht hat. Wir standen im Kreis um sein Krankenbett mit unseren Blockflöten und gaben unser Bestes, ihm die traditionellen Weihnachtslieder vor zu spielen. Auch wenn er nicht mehr richtig reagierte, wussten wir alle, dass er dies sehr genoss. Nach dem Tod meines Grossvaters verbrachten wir das Weihnachtsfest nicht mehr im schönen Salon, sondern in unseren Räumlichkeiten im 3. Stock. Auch im ausgebauten Estrich war viel Platz vorhanden, doch die Feste waren nicht mehr die selben, da sich nicht mehr die ganze Familie versammelte. Nur meine Grossmutter, meine Eltern, mein Bruder und ich feierten das Fest zusammen. Ein paar Jahre darauf war dann meine Grossmutter leider auch nicht mehr unter uns, doch für uns war klar, dass diese Feste trotzdem am Steinengraben stattfinden werden. Als es dann soweit kam, dass mein Vater das Haus an die National Suisse verkaufen musste und ein neues Zuhause fand, durfte ich als 4. Generation zur Miete in die Wohnung, in der ich meine ganze Kindheit und Jugend verbrachte. Klar war, dass die Weihnachtsfeste weiterhin bei uns stattfinden werden. Nun ist das Ende des Jahres 2016 bald erreicht und die Geschichte unserer Familie am Steinengraben 36 wird zu Ende geschrieben. Ich bin gezwungen mein Urgrosseltern-, Grosseltern- und Elternhaus zu verlassen. Diese Weihnacht wird für mich sehr traurig, da ich weiss, dass es das erste Jahr ist, an dem kein Fest in dem Haus gefeiert wird."

 – Aline Burckhardt, ehemalige Bewohnerin


News

30.11.2015

 

Offener Brief an die Helvetia Versicherungen

Sehr geehrte Damen und Herren

Das Netzwerk Wohnungsnot ist ein loser Zusammenschluss sozialer Einrichtungen, die bei aller Verschiedenheit der Tätigkeitsfelder und der Trägerschaften Eines gemeinsam haben: Sie sind alle in ihrer täglichen Arbeit direkt mit der Problematik Wohnungs- und Mietzinsnot in Basel konfrontiert.

Wir beraten und unterstützen Menschen, die aufgrund sehr unterschiedlicher Ursachen keine für sie bezahlbare Wohnung finden. Das sind schon länger nicht mehr ausschliesslich sogenannte Randständige, sondern immer mehr auch Menschen aus dem Mittelstand. Diese gemeinsame Betroffenheit hat uns zum ungewöhnlichen Schritt bewogen, mit einem offenen Brief an Sie zu gelangen. Denn die Helvetia Versicherungen hätten es in der Hand, einen Beitrag zur Linderung der akuten Wohnungsnot in Basel zu leisten.

Wir sprechen von den Häusern am Steinengraben 30 bis 36, die in Ihrem Besitz sind und nun einem Bürokomplex mit einzelnen teuren Wohnungen weichen sollen. Die Häuser sind in einem guten Zustand und vor allem: Die Mieten sind günstig. Jede günstige Wohnung, die im Raum Basel verschwindet, verschärft die Wohnungsnot. Denn es sind vor allem Haushalte mit geringem Einkommen, für die bezahlbarer Wohnraum fehlt. Die Situation ist alarmierend. Beim Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter sind rund 350 Personen ohne festen Wohnsitz gemeldet. Es ist uns nur noch selten möglich, für die Menschen, die wir beraten und betreuen, geeignete Wohnungen zu finden. Betroffen sind Jugendliche und Betagte, Alleinstehende, Familien mit Kindern und Alleinerziehende. So konnten zum Beispiel bei IG Wohnen, Soziale Wohnungsvermittlung, vor 2013 ca. 50% der Personen eine Wohnung vermittelt werden. Mittlerweile sind es nur noch 35%.

Vor diesem Hintergrund appellieren wir an Sie, auf ihren Entscheid, die Häuser am Steinengraben abzureissen, zurückzukommen. An Büroräumlichkeiten herrscht in Basel kein Mangel, sehr wohl aber an günstigem Wohnraum. Werden die Häuser am Steinengraben abgerissen, verschwinden günstige Wohnungen unwiderruflich und die Situation auf dem Wohnungsmarkt verschärft sich weiter. Die Chancen für jene Menschen, die mit unserer Unterstützung eine Wohnung suchen, sinken spürbar.

 

Wir sind gerne bereit, Ihnen in einem Gespräch die Problematik aus erster Hand zu schildern. Umgekehrt hoffen wir auf Ihre Bereitschaft, zusammen mit den jetzigen Bewohnerinnen und Bewohnern Alternativen zu einem Abriss der Häuser am Steinengraben zu prüfen. Denn ein Erhalt dieser günstigen Wohnungen wäre für die Wohnsituation in Basel enorm wichtig. Zudem könnten Sie damit einen kleinen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge leisten. Denn Wohnungsnot macht Menschen krank.

Näheres zu den Häusern und den Anliegen der BewohnerInnen finden Sie unter www.steinengraben.ch

Mit freundlichen Grüssen
Für Das Netzwerk Wohnungsnot:
Kontakt: Schwarzer Peter – Verein für Gassenarbeit, Michel Steiner 

IG Wohnen, Anne Plattner
Genossenschaft Mietshäuser Syndikat,
BastA!, Tonja Zürcher
Heilsarmee Wohnen Basel, Thomas Baumgartner, Kristina Caceres Jugendberatung JuAr Basel, Christoph Walter
Caritas beider Basel, Bettina Zeugin