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Memoiren

Hier sollen vergangene Geschichten und Erinnerungen aus den letzten 140 Jahren rund um den Steinengraben ihren Platz finden, gerne auch mit Bilder.

 

Das Milchmannpferd am Steinengraben in den Dreissiger- und Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts

In jenen Jahren war es ganz normal, dass in den Quartieren Basels die tägliche Portion Milch direkt an die Haustüre geliefert wurde, und in jener Zeit schon nicht mehr mit einem Handkarren,  bei dem es erheblich lärmte und schepperte,  sondern mit Pferd und Wagen. Hygienisch und sauber, denn die Milch wurde in einem eingebauten Glas gemessen und von dort floss sie direkt in im die Milchkanne oder den Milchhafen des Kunden.

Der Wagen kam vom Holbeinplatz her um die Ecke und der Milchmann bedient seine Kundinnen an ihren Haustüren. Das Pferd war intelligent und wusste, wo es anhalten musste, aber manchmal pressierte es ihm, so schnell als möglich zum Halt an der Ecke Steinengraben/Kanonengasse zu kommen. Zuerst wussten wir nicht, weshalb der Milchmann es immer wieder mahnen musste, stehen zu bleiben und ihm mit dem Wagen nicht einfach davon zu fahren. Aber dann ersahen wir ziemlich bald, weshalb das so war. An unserer Ecke angekommen schloss das Milchmannross schnell zum Bäcker Handwagen auf, der vor unserem Hause stand, während dem der Bäcker Ausläufer damit beschäftigt war, seine diversen Kunden mit Schwöbli, Gipfeli. diversem Kleingebäck wie Schlumbergerli etc.,  und natürlich auch mit Brot zu beliefern.

Das Pferd wusste genau, dass  im kleinen Holzkasten, dort wo der Ausläufer sein Kundenbüchlein aufbewahrte, meist ein Weggli oder sonst etwas Altbackenes lag, das es von dem jungen Mann als Leckerei erhielt.  Aber ungeduldig, wie es war,  wollte e nicht warten, bis er zurück kam, es könnte ja die Gelegenheit verpassen.... also versuchte es, den Deckel dieses kleinen Kästchens hoch zu heben, um an das Gesuchte zu kommen, wobei der Deckel aber immer wieder vorher herunter klappte. Zuzuschauen, wie es sich bemühte, war für mich ein Vergnügen, und zu hören, wie es dann noch vom Ausläufer zurecht gewiesen wurde, ebenfalls.

Solches "Theater" gab es jede Woche ein paar Mal, hauptsächlich während der guten Jahreszeiten. Aber wenn der Winter kam, mit viel Schnee, und wenn dann die ganze Strasse noch vereiste und sehr glitschig wurde, dann war es weder für den Milchmann, noch für sein Pferd lustig, die Kurve richtig zu erwischen, die zum Auberglein führte und hinunter zur Heuwaage. Ich erinnere mich, dass einmal der ganze Wagen einfach umstürzte, samt dem Pferd, die Milch floss in den schon grauschmutzigen Schnee und der Milchmann wusste sich kaum zu helfen, um das Pferd, dass sich gottlob nicht verletzt hatte, wieder auf die Beine zu bringen. Es gelang dann schlussendlich, weil barmherzige Menschen (auch meine Mama) mit Wolldecken hinrannten, sie dem Pferd unterschoben, damit es wieder Halt unter die Hufe bekam.

Wer kann sich heutzutage noch solche Szenen vorstellen? Andere Zeiten..... halt!

Ich grüsse meine “alte Heimat” ich habe sehr gerne dort gewohnt.

 

 

Mit vereinten Kräften eine Entenfamile retten

Bewohner des Steienengrabens, Angestellte und Gäste von „The Passage“ und die Feuerwehr Basel-Stadt retten mit vereinten Kräften sieben Entenkücken. Die Kinderenten sind von Ihrer Mutter getrennt worden und haben sich in einem Baugraben versteckt, beziehungsweise sind da reingefallen. Sebastian ist von der Arbeit nach Hause gekommen und hat Mo sofort motivert. Es ist gelungen mit geduldigem Hinhören die Entenkücken zu orten. Mit einem Tuch und einer Migrostüte konnten die Kücken geborgen werden. Der Feuerwehr ist es später gelungen die Mutter zu fangen und die Familie wieder zu vereinen und in der Langen Erle dem Entenleben in Freiheit zu übergeben. Manchmal braucht es nicht viel um die Leute des Quartiers zusammen zu bringen. Sebb und Mo sind sehr stolz ins Bett gegangen.

 

Das Schnee-Krokodil

Einer der Kriegswinter war für Basel besonders schneereich und lang. Es war Dauerfrost angesagt, der Schnee blieb lange auf den Strassen, besonders in den Strassengraben, liegen, wo er von der Bevölkerung hin gewischt wurde, damit die wenigen Passanten auf den Trottoirs besser gehen konnten. Viel Bewegung gab es nur am Morgen früh, wenn Angestellte, Arbeiter und Schüler an ihre Wirkungsstätten gehen mussten, über Mittag und wenn Feierabend angesagt war.

Unsere verglaste, bebilderte, wunderschöne Veranda hatte Blick auf die Kanonengasse, von woher ganze Massen von Mädchen und Buben herkamen, aus den Quartieren Bachletten und vom den Strassen um die Pauluskirche/Schützenmatte und Neubad her. Alle wollten pünktlich sein um  von den Schulabwarten nicht ausgesperrt zu werden, wie es teilweise für 5 bis 10 Minuten geschehen konnte.

Meine Mama und ich waren beim Frühstück, denn meine Schulzeit war beendet, als wir eines morgens plötzlich lebhaftes Geplauder, Ausrufe wie Ah's und Oh's hörten. Ich eilte in die Veranda, wo man den beste Blick auf die Strasse samt Kreuzung hatte. Da hatten sich Jungen und Mädchen versammelt und alle schauten in den Strassengraben, wo ein riesiges Krokodil, aus Schnee geformt, lag. Das wäre an sich schon etwas zum Bestaunen gewesen, jedoch das Kroki sprach. Es fragte ganz keck, wo den alle so schnell hinbeinelten und erhielt zur Antwort: "Zur Schule natürlich". So gab es Rede und Antwort und es entspann sich ein lebhafter Dialog zwischen dem Krokodil aus Schnee im Strassengraben und den anhaltenden Schülern. Oben, im ersten Stock und versteckt, stand natürlich der Schöpfer dieses Monstrums, ein lustiger Typ, der ihm nachts heimlich einen Lautsprecher in den Kopf gebaut hatte, mit einem damals sehr modernen Mikrophon, um die Kinder am Morgen mit seinen Spässen zu überraschen. Es kamen viel auch von weiter her, um das Schneekrokodil zu bewundern und mit ihm Zwiesprache zu halten, denn dies hatte sich schnell herum gesprochen. Und die ganze Geschichte dauerte, bis sich der Schnee langsam auflöste. Und manch ein Schüler/Schülerin bedauerten, dass sich alles in Matsch und Pflotsch auflöse, aber  das ist nun einmal der Lauf der winterlichen Gegebenheiten.
 
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Genau wie heute lebten dort herum auch viele Studenten, die es stets auch sehr lustig hatten. Einmal luden ein paar von ihnen ein Vibraphon aus einer Camionette aus, als meine Mama gerade daran vorbei ging. Sie fragte, spitzbübisch, ob man auf dem Ding überhaupt spielen könne, worauf der Besitzer sich an das Vibraphon stellte und anfing zu spielen, so dass Mama in den Genuss einer ganz privaten Vorstellung gekommen ist.
 
Ja, das sind für mich herrliche Erinnerungen, als die Zeit noch etwas weniger hektisch gelebt wurde und man auch noch mitmenschliche Dialoge im guten Sinne führen konnte, ohne dass sofort alles in Häme ausartete.

 

Weihnachten am Steinengraben 36

"Seit vier Generationen ist es bei uns die Tradition das Weihnachtsfest am Steinengraben zu zelebrieren. Die ganze Familie versammelte sich im 1. Stock im Salon, in dem sich jedes Jahr ein prachtvoller, bis zur Decke ragender Weihnachtsbaum befand. Es wurde gegessen, gefeiert, gelacht und einfach eine gute Zeit zusammen verbracht. Die Jahre vergingen und wir wussten, dass es das letzte Weihnachtsfest sein wird, an dem mein geliebter Grossvater noch bei uns sein wird. Die Cousinen und Cousins versammelten sich in dem Zimmer, in dem mein Grossvater seinen ersten, wie auch seinen letzten Atemzug gemacht hat. Wir standen im Kreis um sein Krankenbett mit unseren Blockflöten und gaben unser Bestes, ihm die traditionellen Weihnachtslieder vor zu spielen. Auch wenn er nicht mehr richtig reagierte, wussten wir alle, dass er dies sehr genoss. Nach dem Tod meines Grossvaters verbrachten wir das Weihnachtsfest nicht mehr im schönen Salon, sondern in unseren Räumlichkeiten im 3. Stock. Auch im ausgebauten Estrich war viel Platz vorhanden, doch die Feste waren nicht mehr die selben, da sich nicht mehr die ganze Familie versammelte. Nur meine Grossmutter, meine Eltern, mein Bruder und ich feierten das Fest zusammen. Ein paar Jahre darauf war dann meine Grossmutter leider auch nicht mehr unter uns, doch für uns war klar, dass diese Feste trotzdem am Steinengraben stattfinden werden. Als es dann soweit kam, dass mein Vater das Haus an die National Suisse verkaufen musste und ein neues Zuhause fand, durfte ich als 4. Generation zur Miete in die Wohnung, in der ich meine ganze Kindheit und Jugend verbrachte. Klar war, dass die Weihnachtsfeste weiterhin bei uns stattfinden werden. Nun ist das Ende des Jahres 2016 bald erreicht und die Geschichte unserer Familie am Steinengraben 36 wird zu Ende geschrieben. Ich bin gezwungen mein Urgrosseltern-, Grosseltern- und Elternhaus zu verlassen. Diese Weihnacht wird für mich sehr traurig, da ich weiss, dass es das erste Jahr ist, an dem kein Fest in dem Haus gefeiert wird."

 von Aline Burckhardt